Helga radelt in die Rente
Gelungene Überraschung

 

Helga radelt in die Rente

 

Viele Telefonate und ein persönliches Gespräch mit der Rentenstelle sowie die ordnungsgemäße Kündigung mit der Firma waren erledigt, und der Ruhestand konnte kommen.
„Mach mir doch bitte mal eine Einladungskarte für meine Kollegen“ sagte Helga, und sie ließ mir wie immer freie Hand. Meine kleinen grauen Zellen kreisten, und ich hatte, wie fast jede Nacht, zu wenig Schlaf.
Morgens musste Helga dann vor der Arbeit ein „Foto-Shooting“ über sich ergehen lassen, denn der Tenor lautete: „Helga radelt in die Rente“.


Folgende beiden Bilder machten das Rennen

und dann zierten sie eine ganze Seite.


Alle Kollegen wurden zu einer gemeinsamen Abschiedsfeier eingeladen und konnten sich eintragen. Der Termin und die Planung waren mit Geli im Lokal „Zum Gewerkschaftshaus“ abgesprochen, und die Vorfreude begann…
„Wollen wir nicht lieber einen größeren Saal mieten, damit unsere Kinder auch Platz haben?“ fragte ich und erfuhr: „Der Abschied ist eine Sache im Kollegenkreis.“
20 Kolleginnen hatten sich eingetragen, und alle waren pünktlich, trotz des Fußballkrimis Deutschland Argentinien, im Lokal erschienen
„Komm Du mal gegen 22.30 Uhr, damit Du mich abholen kannst, und die Rechnung kannst Du dann auch gleich bezahlen“, wurde mir dann bei der Verabschiedung gesagt.
Ich war pünktlich erschienen und hörte ein Damengeschnatter und –Gegacker und sah eine Umarmung nach der anderen und immer wieder kleine Tränchen.
Gegen 23.00 Uhr hatten die Kolleginnen das Lokal verlassen, weil die Pflicht am nächsten Morgen wieder rief. Nur meine Helga konnte zu Hause bleiben, und sie erzählte und erzählte. Jede Einzelheit erfuhr ich gleich noch im Lokal, dann im Auto und später zu Hause noch einmal, denn soviel Freude und schöne Worte kann meine Helga alleine gar nicht ertragen...

Geteilte Freude ist doppelte Freude... So ist unser Leben.


Bis in die tiefe Nacht hinein kullerten immer mal wieder Freudentränen, und ich war das rettende Ufer in dieser "Tränchen-Brandung". Am nächsten Morgen, Sonnabend, dem 1. Juli 2006, folgte um 10.30 Uhr die „süße Rache“… und

Eine gelungene Überraschung

mit dem

Frühstücksbrunch ins Rentnerleben

 

Wenn Helga den Abschied ohne unsere Familie, nur im Kollegenkreis, feiern möchte, so sollte sie das gerne tun, aber wir tun und taten auch etwas; und das war 4 Wochen das Familiengeheimnis.
Unser Telefon durfte nicht mehr für Gespräche bezüglich des Geheimnisses genutzt werden. Computer, Internet und Mail-Möglichkeit waren für dieses Geheimnis richtig gut geschaffen.
Frau Claudia Jocksch vom Ramada-Treff-Hotel wurde per eMail angesschrieben, und sie unterbreitete mir verschiedene Feier- und Preisangebote.
Gabriela, Susanne und Herbert wurden informiert, und sie hatten ab sofort die ganze Verantwortung und eine Geschenkidee

weil Störenfriede ihn beschädigt hatten.

Helga war nach ihrer aufwendigen und schmerzhaften Kieferbehandlung aber sehr ins Grübeln gekommen, und sie machte sich unnötige Gedanken über dies und das.

Wie war noch der Tenor? Richtig „Helga radelt in die Rente“.

Mit ihrem schwer zu tretenden, und durch die Federung recht unhandlichen Fahrrad, würden die Radfahrten keine Freude bereiten. Ein gleiches Rad, wie ich mir vor 3 Jahren gekauft hatte, musste also her. Denn zwischen Billig- und Leichtlauf-Rädern sind doch große Unterschiede.

Bei Fahrrad Marcks: „Auf diesem Rad fühle ich mich sicher, und es fährt sooo leicht.“

Das Wetter spielte mit, und Helga konnte mit dem neuen Rad von ihrer Grübelei abgelenkt werden. Radtouren zu zweit und in der Gruppe halfen noch zusätzlich dabei.

Dann rief Elena noch an, und wir beide wurden zusammen mit der ganzen Familie eingeladen, am Sonntag, dem 2. Juli, dort ein Familienfest als Begrüßung ins Rentnerleben zu feiern. Helga strahlte und somit brauchte sie sich eigentlich keine weiteren Gedanken zu machen.

„Was haben wir doch für nette Kinder“, meinte sie so richtig glücklich und zufrieden.


Am Montag, dem 26. Juni lag dann ein Brief in unserem alten Briefkasten mit der fiktiven Einladung zu einem Frühstückbrunch ins Rentnerleben, in dem Ramada-Treff-Hotel. Die kostenfreie Einladung, für die Rentnerin Helga Jerrentrup nebst Gatten, war auf den 1. Juli, 10.30 Uhr, datiert, und sie war nicht übertragbar.

„Woher wissen die denn, daß ich ab 1. Juli Rentnerin bin?“

Jeder aus der Familie wurde telefonisch von unserer nachdenklichen Helga unterrichtet, aber jeder wusste ja schon Bescheid von dieser fiktiven Einladung. Somit liefen die Antworten immer in eine ähnliche Richtung.

Außerdem war mir noch ein kurzer Wolkenbruch für die Sicherung unseres Geheimnisses zur Hilfe gekommen. Ich befand mich gerade vor dem Ramada-Treff-Hotel als der Regen herunter prasselte, und ich flüchtete mich in die Rezeption, hatte ich meiner Helga nach diesem Regenguß erzählt. Der Zufall wollte es, daß Frau Jocksch gerade Feierabend machen wollte. Ich lernte sie nun ganz "zufällig" persönlich kennen, und wir konnten über die „unverhoffte“ Einladung sprechen. Alles hatte seine Ordnung und Helga war schließlich so richtig beruhigt.

Plötzlich kam es aber doch wieder:

„Erdbeer- und Gartenfest im Seniorenheim, die Feier mit den Kolleginnen im Lokal „Zum Gewerkschaftshaus“, das Frühstücksbrunch mit Rentnern aus Bergedorf und dann das Familienfest bei Herbert und Elena, das sind ja 4 Feiern hintereinander. Was die Kinder sich da aufgebürdet haben. Ich muß dafür noch einkaufen, das ist zu viel, da muß ich helfen.“
Ach laß man, meinte ich dann, das schaffen die Kinder schon, und für Helgas bekannte Zeigefinger-und-Daumen-Reiberei erklärte ich mich bereit, helfend einzuspringen. „Dann ist ja gut“ und der 1. Juli zierte morgens das Kalenderblatt.

Zum Frühstück hatte es nichts gegeben, und so wurde der Frühsport so richtig ausgedehnt und klönend viel Zeit verplempert. Fahren wir mit den Rädern oder nehmen wir das Auto? Irgendwie waren wir für die Fahrräder doch zu fein angezogen. Deshalb fuhren wir dann mit unserem Auto in die Hotelgarage.
In der Rezeption stellten wir uns vor und erkundigten uns nach dem „Rentnerbrunch“.


„Nehmen Sie bitte einen Moment Platz, es kommt gleich jemand“.


Tatsächlich dauerte es nicht lange, und wir wurden von Frau Schönemann begrüßt und vor den Raum Lüneburg geführt, wo ein Garderobenständer für uns stand. Frau Schönemann ließ uns einen Moment allein, und auf dem Türschild war zu lesen:

„Ob ich den einen oder anderen Rentner kenne“, meinte Helga noch, und dann wurden wir auch schon von Frau Schönemann hereingebeten.

Ich schob Helga vor, und sie blieb stehen,

drehte sich um, und ich konnte mal wieder der Rettungspool für ihre Freudentränchen sein. Glücklicher Weise hatte Peter auf seinen Auslöser gedrückt, als Helga statt der erwarteten „Rentnercrew“ unsere Familie erkannt hatte. Obwohl unsere beiden großen "Kleinsten" den weitesten Weg um den großen Tisch hatten, waren sie zuerst bei ihrer Oma.

Wer Helga kennt, weiß, daß nun eine Tischrunde mit Umarmungen und Freudentränchen folgte.


„Mein Gott das dauert“ muß unsere nette Frau Schönemann gedacht haben, aber ich hatte den Eindrück, daß sie auch herzlich gerührt gewesen ist, und ebenso nett war ihre gesamte Betreuung.


Alles war lecker und die persönliche Diät wurde an diesem Tag wieder einmal vergessen…


Prima war, daß unsere Walli es noch geschafft hatte, mit einer Stunde Verspätung, nach Ihrer Augen OP, aus dem Krankenhaus zu kommen und die feierlichen Stunden mit erleben konnte.
Unser Herbert schaffte es auch noch so rechtzeitig, daß er seine "Lieblingsmutter" drücken und sich am Tragen des neuen

usw. usw. usw. beteiligen konnte. Übrigens hätte der Einkaufskorb an dem neuen Fahrrad hierfür auch nicht gereicht, und so war es doch gut, daß wir mit dem Auto gefahren sind.


Leider ist Dir liebes Herzilein das Berichten über diesen schönen Tag: „Frühstückbrunch ins Rentnerleben“ nun von unserer Familie abgenommen worden, denn jeder war dabei. Ich denke aber, daß es trotzdem noch genug zu klönen geben wird, und Du hast erkannt, daß das Rentnerleben auch schöne Tage haben kann.


Im Namen von Helga bedanke ich mich bei allen und erweitere Helgas Ausspruch bezüglich unserer netten Kinder.


„Was haben wir doch für eine nette Familie“

D a n k e