Gesund 3

Autor: Herbert Jerrentrup sen. Hamburg

Körper, Geist und Phänomen

eigene Erfahrungen

 

 

 

Bandscheibenleiden

 

 

1956 begann meine Lehre, die reichlich viel Kraft und Kondition erforderte. Aber ich war jung, und es ging mir gut. Uns gehörte die Zukunft.

So waren wir dann 1958 im Alter von 18 Jahren zum Campen gefahren. Unser US-Zelt hatten wir auf einer Wiese, an der Nordsee aufgebaut. In der Nähe gab es dort eine Handpumpe, die wir für unseren Wasserbedarf und auch für die Morgenwäsche nutzen durften.

Ich bewegte den Pumphebel kräftig auf und ab, um einen kräftigen Wasserschwall zu bekommen und mich zu erfrischen.

Vorne das kalte Naß und im Rücken eine frische Briese. Ich fühlte mich richtig wohl. Richtig, bis zu diesem Moment hatte ich mich wohl gefühlt, und dann lernte ich die ganze Grausamkeit eines "Hexenschusses" bzw. Rückenleidens kennen. Mein Rücken saß im rechten Winkel fest, und ich kam einfach nicht wieder hoch.
Ganz langsam zog ich mich an der Pumpe wieder in die Senkrechte. Jede kleine Bewegung war unheimlich schmerzhaft und mein Urlaub war zu Ende.

Ich suchte meinen Arzt auf. Bandscheibenverschleiß war seine Diagnose.

Röntgen, Massagen, aufhängen an Kopf und Füßen, Fango und Rotlicht wechselten sich im Laufe der Jahre immer, bei jedem Wetterumschwung, im Frühjahr und im Winter und manchmal noch zwischendurch, ab.

Nach meiner Gesellenprüfung, wechselte ich in meinen Wunsch-Beruf und konnte meinen Rücken damit etwas entlasten.

Dennoch erwischte es mich immer wieder. Viele Male dauerte es länger als 10 Minuten, bis ich mich aus dem Bett gedreht hatte. Ich musste ja zum Arzt und wurde so oft von einer "Hexe" angeschossen. Arzt und Masseur hatten ihre liebe Not mit mir.

Aber nach einer Woche waren die Beschwerden meist gelindert, und so lebte ich mit meinem Bandscheibenverschleiß etwa 20 Jahre im wiederkehrenden Wechselspiel.

"Kann ich auch etwas für mich tun?" fragte ich meine Masseurin eines Tages, als sie meinen Rücken massierte, denn ich wunderte mich, dass nach etwa 3 Behandlungen jedes Mal eine Besserung einsetzte.

Sie riet mir, mich flach auf den Rücken zu legen, meine Beine anzuheben und wie ein Taschenmesser über meinen Kopf zu bringen. Ich mach doch fast täglich 50 Bauchaufzüge, meinte ich, woraufhin ich von ihr belehrt wurde, daß es Bauchaufzüge sind, die nicht zur Rückenschule gehören. Außerdem bekam ich von meiner Ärztin noch ein Blatt mit Übungen einer Rückenschule, und da waren die Bauchaufzüge auch nicht mit aufgeführt.

Die Rückenschule würde sich meine Rückenmuskulatur stärken und meine Bandscheiben etwas entlasten.

Irgendwann begann ich 40jährig regelmäßig meine leichten Sportübungen, Ergometer, Rudern und auch die erwähnte Rückenübungen.

Das Wetter wechselte, und mir ging es gut. Das Wetter wechselte erneut, und mir ging es noch immer gut. Ich wunderte mich, und mein Rücken brauchte über 20 Jahre keine Massagen mehr.

Dann hatte ich mit langer Unterbrechung zweimal "Hexenschüsse" mit Taubheitsgefühl im rechten Fuß.

Röntgen und Facharztuntersuchung folgte. Der Arzt bestellte mich für eine Woche später, um mir dann ein "Cortisondepot" um die Bandscheibe zu legen. Das würde helfen und die Patienten sind meist nach einer Woche beschwerdefreier, lautete seine Erklärung.
Als ich ihm erklärte, dass ich nicht so lange warten würde, und meine Turnübungen machen werde, sah er mich ganz erstaunt an. So etwas hatte er offensichtlich noch von keinem seiner Patienten gehört, und ich ging ganz langsam mit großen Schmerzattacken nach Hause.

Mit Tränen in den Augen versuchte ich unter Zuhilfenahme eines Gürtels meine Füße und Beine hochzuziehen. Ganz langsam, aber immer wieder neu. Nach langer Ausruhphase ging es wieder ran, denn Aufstehen ging auch nicht. Irgendwann bekam ich die angewinkelten Beine mit Hilfe des Gürtels hoch. Nur nicht zu weit, um nicht zu blockieren und dann wiederholen.

Vier Tage später waren die Tränen aus meinen Augen verschwunden, und ich suchte meinen Facharzt auf. Ich sagte den Termin bezüglich des "Cortisondepots" ab und ließ absichtlich einen Kugelschreiber fallen, den ich blitzschnell wieder aufheben konnte. Das Fräulein an der Rezeption konnte es kaum glauben,denn sie kannten mich ja von vor vier Tagen, als ich ein gekrümmtes Häuflein Elend mit starken Schmerzen gewesen war. Sie holte den Facharzt, der seinen Augen kaum glauben konnte, aber meine Rückenschule hatte geholfen und der Eingriff Cortisondepot war nicht mehr erforderlich.

Heute weiß ich, dass ein krankheitsbedingter Schlendrian die Ursache in diesem Fall gewesen war. Meine Turnübungen hatte ich asthmabedingt nicht ausüben können.

Heute turne ich 3 bis 4 mal die Woche. Beim Wetterumschwung nutze ich noch zusätzlich die Wärme der Angorawolle - und es geht mir gut.

 

Ich schreibe meinen Krankheitsverlauf für nachfolgende Leidensgenossen, um ihnen Mut zu machen und zu zeigen, daß jeder selbst wirklich etwas für sich tun kann.

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