Gesund 11

Autor: Herbert Jerrentrup sen. Hamburg

Körper, Geist und Phänomen

eigene Erfahrungen

 

 

Meine "Wehen"

 

Wir schreiben den 9. Dez. 1970, meine Frau ist hochschwanger, und die errechnete Geburt war schon 5 Tage überfällig.

Mit gepacktem Köfferchen fuhr ich meine Frau morgens zur Untersuchung ins Krankenhaus. Nach der Untersuchung wurden wir mit den Worten: "Wenn das Kind am Sonnabend noch nicht gekommen ist, dann kommen Sie wieder und wir holen es."
Wir fuhren also wieder nach Hause, und ich muß wohl hibbelig störend gewesen sein, denn meine Helga meinte, dass ich doch ruhig zum Kegeln fahren solle. Du hast doch gehört, dass Kind wird in drei Tagen am Sonnabend geholt.

Da meine Helga und unsere beiden Töchter auch jeweils am Sonnabend auf die Welt gekommen waren, willigte ich ein und fuhr zum Kegeln.

Doch was war das? Ich warf einen Pudel nach dem anderen und konnte mich gar nicht richtig konzentrieren. Mir ging es auch nicht gut, alles war so komisch, und so fuhr ich ganz gegen meine Gewohnheit im Anschluß sofort nach Hause.

Ich fuhr mein Auto in die Garage doch niemand öffnete mir die Tür. Seltsam, das Haus war auch dunkel. Unsere beiden Töchter lagen in ihren Betten. "Mama ist mit der Nachbarin ins Krankenhaus gefahren," erzählten sie mir ganz aufgeregt, und ich wollte es gar nicht glauben, denn ich hatte doch das Köfferchen noch im Auto und die zwei gewaschenen Umstandskleider auf dem Trockenständer waren mir auch aufgefallen.

Ohne Kleider würde meine Frau doch nicht aus dem Haus gehen, aber meine Nachbarn bestätigten es. Dann sauste ich ins Krankenhaus, denn das Köfferchen musste doch hin.

Ob meine Stimme so kräftig war, oder ob meine Helga so gute Ohren hat, ich weiß es nicht, sie war jedenfalls sofort an der Kreissaaltür, und wir umarmten uns mit Erlösungstränen in den Augen. Dann nahm sie mir das Köfferchen ab, gab mir noch Verhaltensregeln mit auf den Weg und machte die Tür zu.

Da stand ich nun zum dritten Mal allein vor der Kreissaaltür und ging ganz allein wieder nach Hause, aber wohl war mir nicht.

Kaum war ich 10 Minuten später zu Hause erkundigte ich mich telefonisch im Krankenhaus nach meiner Frau. Das Kind war noch nicht da, wurde mir bei dem 2. und 3. Anruf gesagt. "Rufen Sie doch am besten gleich im Kreissaal an, das ist viel netter", meinte eine recht freundliche Stimme vom eingewechselten Nachtdienst.

Gabriela und Susanne schliefen fest, und ich wanderte immerzu vor dem Telefon hin und her, es ging mir nicht gut und so suchte ich Unterstützung bei den Nachbarn. Die Gespräche lenkten etwas ab, aber unwohl war mir immer noch und konzentrieren konnte ich mich auch nicht.

Doch was war das? Um 23.45 Uhr waren all meine Bauchbeschwerden schlagartig vorbei, und mir ging es gut. "Dann ruf doch gleich an," meinten die Nachbarn, und nun waren sie ganz ungeduldig. Ich wartete aber noch 15 Minuten und ging dann ans Telefon und tipp tipp tipp einer nach dem anderen folgte mir neugierig.

Die Nummer vom Kreissaal hatte ich gewählt und eine nette Stimme gratulierte mir zu unserem Sohn, der schon 15 Minuten alt war.

Dann hatte ich meine Helga am Apparat und eine kleine zarte schreiende Stimme meldete sich auch zu Wort --- das war unser Herbert.


Jahre später kam unser Herbert zu mir und legte mir ein Poesiealbum vor. "Papa, da musst Du auch was reinschreiben."

 

Kürzlich entdeckten wir das alte Poesiealbum und ich las meine Zeilen von damals:

 

"Der schönste Tag in unserem Leben,
war die Geburt von Dir mein Sohn.
Fünfzehn Minuten warst Du eben,
und sprachst mit mir am Telefon.

Verbreite immer Sonnenschein,
Dein ganzes Leben lang.
Dann wirst Du nie im Schatten sein,
und erntest immer Dank."

...............................................Dein Papa

 

 



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