Gesund 15

Autor: Herbert Jerrentrup sen. Hamburg

Körper, Geist und Phänomen

eigene Erfahrungen

 

 

Wunderbares Wunder

"Der Arzt in mir bin ich"

 

 

Immer wieder staunte ich, wenn verletzte Sportler nach ihren ärztlichen Behandlungen in „Weltrekordzeit“ ihre Sportart wieder durchführen konnten.

Haben die mit ihrem vielen Geld wirklich bessere Behandlungsmöglichkeiten?

Mit meiner regelmäßigen Heimsportart kann ich mir kaum eine Verletzung zuziehen, ich kann mich lediglich so fit wie möglich halten.

Unglück schläft nicht, und ich hatte wohl etwas geträumt, als ich mit beiden Händen in den Taschen die freie Fahrbahn überqueren wollte. Ich war auf die halb abgesenkte Gehwegkante getreten, umgeknickt und auf der Fahrbahn gelandet.

Junge Junge, tat mein Fuß weh, aber ich konnte ihn bewegen, und so bewegte ich mich schön langsam und humpelnd noch 2 km bis an mein Auto. Das Autofahren klappte auch, aber mein Schuhband brauchte ich während dieser Fahrt nicht mehr, weil mein rechter Fuß kräftig angeschwollen war.

 

Eis in unseren speziellen Wassereimer und Fuß hinein, denn die Sportler werden ja auch oft mit Eisspray besprüht und können weiterspielen. Nach dieser Prozedur Fuß hochhalten, mit Diclac- und Pferde-Gel einreiben, damit der Bluterguß sich wieder zurück entwickelt.

Weil sich meine Familie um mich sorgte, und unser Finn seinen Papa angerufen hatte, damit dieser Opa zum Arzt bringt, um den Fuß röntgen und behandeln zu lassen. Nach zwei Tagen, am 2. Febr. 2005 lenkte ich ein und humpelte zu meiner Ärztin, denn ich hoffte, daß sie"Verständnis" für mich hatte und mir keine Gips verpassen würde.

Doch kaum hatte sie meinen Fuß gesehen, war die Taxe bestellt und schon war ich im Unfallkrankenhaus. Mein Fuß wurde geröntgt. Auf dem Bild war tatsächlich ein Bruch zu erkennen. Die Bruchstelle lag aber gut aufeinander und mein Fuß wurde bis zum Knie mit Gips versorgt.

Dann wurden mir meine Papiere für meinen Arzt überreicht und ich konnte mich mittels eines Rollstuhls zum Ausgang begeben.

Jetzt merkte ich erst wie unbeholfen ich doch war. Papiere, Fragmin (Thrombose Spritzen), Krücken und Rollstuhl passten nicht zusammen und mein linkes Bein hatte Mühe, diese unmögliche Fuhre durch breite Ausgangstür zu steuern. Es klappte aber und ich konnte mich bis zu meinem nächsten Arztbesuch selbst spritzen und immer schön den Fuß hochhalten.

Gut, daß der Arztbesuch so schnell möglich gewesen ist, denn ich wurde von dem schweren Gipsbein erlöst. Eine zweite Röntgenaufnahme folgte, und ich bekam eine Kunststoffschale, die mit Klettband zusammen gehalten werden konnte. Unter dieses Wunderteil konnte ich eine Gehsohle schnallen, um dann mit Krücken gehen zu können.

erst so dann so

Bein schön hochhalten und alle Sendungen auf dem Fernseher verfolgen, war meine Tätigkeit. Am nächsten Morgen klapperte mein Fuß in dieser Gehschale, weil Fuß und Bein geschrumpft waren. Mit dem Klettverschluß konnte ich die Schale fester machen.

Nun lag aber eine Seite auf der anderen und drückte schmerzhaft ins Schienbein. Meine Blechschere her und schnippel die schnapp schnitt ich von oben bis unten einen 15 mm Streifen ab.

Alle 3 Stunden kam immer wieder abwechselnd Diclac-, Pferde-Gel und Bürstenmassage zum Einsatz, die Schale wieder drum und das ganze in Hoch und Ruhestellung.

Ach Du lieber Gott, mein Bauch sah von den vielen selbst zugefügten Spritzen aus wie ein Junkie-Arm, und der Arzt verordnete mir nach 2 Wochen noch einmal so eine Ladung Fragmin.

Wat mut dat mut, vielleicht liegt da die schnelle Heilung drin.

Mit meinem Fuß war der Arzt recht zufrieden. Mir wurde erlaubt, ihn bis 10 kg zu belasten.

Zur Probe hatte ich den Fuß mal auf meine Waage gestellt, um das 10-kg-Gefühl zu bekommen. Das war ja gar nichts, denn das bloße Absetzen des Fußes war ja schon mehr als 10 kg, obwohl mein Fuß und Bein immer dünner geworden war.

Auf dem Fernseh-Bildschirm las ich plötzlich: „Der Arzt in mir bin ich“, und meine Lebensgeister wurden wieder so richtig geweckt.

Ich hielt also mein Bein weiter schön hoch, wiederholte meine Pferdegel- und Bürstenmassage-Aktion alle 3 Stunden und bewegte meinen Fuß abwechselnd in meinem Spezial-Eimer im kalten und warmen Wasser ganz vorsichtig vor und zurück, um eine Versteifung zu vermeiden.

Meinen Fuß unten still halten, war auch nach 3 Wochen nicht der Hit, und ich merkte so werde ich nicht fit, denn die Flüssigkeit ließ den Fuß gleich wieder anschwellen. Also Beine in die Luft und Radfahrübungen. Mit Krücken in der Wohnung gehen und nach jeder Aktion wieder erholen, wobei der rechte Fuß immer wieder in der Hochhalte ruhen mußte, und ich natürlich auch.

Wenn Du das so liest, denkst Du bestimmt, "der ist doch bekloppt". Bin ich aber nicht, ich hatte nur einen eisernen Willen.

Am Montag, dem 28. Febr. waren genau 4 Wochen vergangen, und ich hatte meinen letzten Arzttermin. Im Trainingsanzug und mit Turnschuhen kam ich da an. Meine Krücken hatte ich nur zur Erleichterung mitgenommen. Es wurde noch eine abschließende Röntgenaufnahme gemacht. Der Arzt staunte, über "seinen" Heilerfolg. „Sie können ja schon wieder gehen“, meinte er, und ich wurde entlassen.

Mein Wille machte es, denn „Der Arzt in mir bin ich ...“, und was die jungen Sportler können, schaffte ich mit 65 Jahren auch.

Hier noch ein kleines "Nachspiel". Würde ich heute noch die neue Polizeiuniform anziehen müssen, hätte es vermutlich so ausgesehen:

 

 

Bleib schön gesund lieber Leser

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