Gesund 18

Autor: Herbert Jerrentrup sen. Hamburg

Körper, Geist und Phänomen

eigene Erfahrungen

 

Polypen

 

„Der Junge hat Polypen“ hörte ich als etwa 10jähriger Junge von unserem HNO-Arzt zu meiner Mutter sagen.

Ein paar Tage später war ich dann in seiner Arztpraxis aufgewacht, durfte mir ein Geschirrtuch vor den Mund halten und wurde von meiner Mutter mit einem Bollerwagen nach Hause gezogen.
Die gekappten Polypen waren bei dem HNO-Arzt geblieben, und mir ging es relativ gut in dem Bollerwagen.

Fast 60 Jahre später war meine Nase wieder dicht. Selbst Rhinisan-Spray, das ich die letzten 4 Jahren regelmäßig auf ärztliche Anweisung in meine Nase gesprüht hatte, um einer OP vorzubeugen, brachte keinen Erfolg mehr. Mein neuer HNO-Arzt ließ ein CT machen, um mir das Polypen-Wirrwarr in meiner Nase deutlich zu machen und eine sichere Entscheidung zu fällen. Die Polypen mussten raus, aber nicht ambulant sondern 5 Tage stationär, war seine Diagnose.

Mit dem Überweisungsschein begab ich mich in das St. Georg Krankenhaus. Heute ist es die Asklepios Klinik St. Georg, aber das ist ja auch egal, zumal ich tatsächlich vor Ostern noch einen Termin bekommen hatte, denn in Bergedorf gibt es gar keine OP’s dieser Art mehr.

Welch ein Fortschritt für 113.000 Einwohner. Und außerdem belasten die Kosten für derartige Fahrten die Krankenkassen glücklicher Weise nicht, denn die zahlen wir Patienten.

Die ersten Fahrten hatte ich noch mit meinem Auto gemacht und unser Herbert freute sich, daß er für die Krankenhauszeit mein Auto bewegen konnte. Er brachte mich noch in die Asklepios Klinik und fuhr glücklich nach Bergedorf zurück. Während ich noch zwei Stunden warten durfte, bis ich endlich mit einem OP-Hemdchen bekleidet, obwohl es nur um meine Nase ging, in den OP-Vorraum geschoben worden bin.

Einen Pieks in den Handrücken und noch ein paar Sprüche mit der netten Schwester und wenig später merkte ich, daß ich in einen Aufwachraum geschoben, um wenig später in mein Zimmer gebracht zu werden. Offensichtlich hatte ich die OP gut überstanden, denn ich durfte bis zum Abendessen schlafen, dösen oder auch mit den Zimmernachbarn Erfahrungen austauschen. Mein Nasenbei hatte der operierende Arzt gleich mit gebrochen und gerichtet, aber Schmerz- oder Schlaftabletten hatte ich abgelehnt und zwei Nächte meine Zimmernachbarn nicht gestört.

Ein gutes Zeichen hatte ein Arzt für sich festgestellt.

Dann war Ostern, der 23. März 2008. Meinen Namen hatte ich auf einem Frühstücksteller entdeckt und mich sofort bedient, um die Schwestern zu entlasten, denn Appetit habe ich immer, wenn es für mich etwas zu essen gibt. Die Schwester suchte meinen Teller, und sie suchte mich auch noch, denn ich sollte entgegen der vorherigen Absprache noch bei diensthabenden Arzt vorstellig werden.

Gut gefrühstückt kam ich bei dem Doktor an und war sofort dran. Tampons raus, kurz untersucht, alles Gute gewünscht, und schon war ich entlassen. Meine gute Heilhaut hatte meinen Heilungsprozess diesmal wieder unterstützt.

Solches Ostergeschenk macht Mut.

Gut, dass ich ein Handy habe, denn so konnte ich eine halbe Stunde später wieder in mein Auto steigen und mich nach Hause zu meiner lieben Helga fahren lassen. Sie war auf meinen Krankenbesuch vorbereitet aber nicht auf meine vorzeitige Rückkehr. Die freudige Überraschung war geglückt, und satt geworden bin ich mittags auch. Das schafft sie immer, denn ich bin ja schließlich das größte Kind in unserer Zweisamkeit.

Am nächsten Tag musste ich allerdings noch einmal im Krankenhaus vorstellig werden, damit meine Nase frei gesaugt und vom Blut befreit werden konnte. Ich benutzte Bus und S-Bahn für die Fahrt und ein kleines Kind, das mir gegenüber gesessen hatte und meine mit Mull beklebte Nase bestaunte, wusste später was Polypen in der Nase auslösen können.

Dann war ich mit einer Überweisung für meinen HNO-Arzt endgültig aus der Asklepios Klinik St. Georg entlassen worden und rauschte wieder mit S-Bahn und Bus nach Hause.

Mein HNO-Doktor tat die Tage danach sein Übriges, befreite meine Nase von fest sitzenden Blutbrocken, die sich immer so herrlich fest mit den Nasenhaaren vereinten. Aber dann war alles überstanden. Richtig riechen kann ich allerdings nicht mehr, aber das stört mich nicht, denn diese Situation kenne ich schon viele Jahre.

Täglich spüle ich meine Nase mit 200 ml Salzwasser aus einem sündhaft teuren Plastikgefäß mit Nasenstöpsel aus der Apotheke für 17,- Euro. In einem 1-Euro-Laden würde ich bestimmt zwei für 1 € bekommen.

Meine Polypen sind vollkommen entfernt worden, mein Nasenbein ist jetzt ganz gerade, und so kann es mir schließlich egal sein, wer sich an diesem Plastikbehältnis eine goldene polypenfreie Nase verdient.


Wenn ich die Zusammenhänge vorher erkannt hätte, würde ich mit meiner kleinen Pipette auskommen, um die Nasenschleimhäute täglich im Liegen zu befeuchten. Weiter habe ich erkannt, dass auch Baby-Öl, zum geschmeidig halten der Nasenschleimhäute, ein preiswertes Mittel ist.

Bleib schön gesund lieber Lerser und sei freundlich gegrüßt von Herbert Jerrentrup sen.


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