Gesund 24

Autor: Herbert Jerrentrup sen. Hamburg

Körper, Geist und Phänomen

eigene Erfahrungen

 

 

Schock, Schmerz und eiserner Wille

 

Wenn sich Schock, Schmerz und eiserner Wille treffen,
passieren seltsame Dinge.

 

 

Es war Freitag, der 26. Aug. 2011, gegen 12.00 Uhr. Meine Helga hatte das Mittagessen gekocht, und sie wartete auf mich, weil ich jeden Moment eintrudeln würde.

Ich hatte auf meinem Fahrrad gesessen und zufrieden in die Pedale getreten. Es waren nur noch 400 m, die ich zu fahren hatte.

Doch plötzlich erlebte ich einen Schock, als unvermittelt ein Lieferfahrzeug quer zur Fahrtrichtung vor mir fuhr. Unser Abstand war so knapp, und ich bediente alle drei Bremsen gleichzeitig. Dann spürte ich noch, dass ich von meinem Sattel nach oben gedrückt worden war.

Die Situation war so unerwartet und schnell, dass ich mich wieder an das Aufstehen erinnern kann und hinter mir einen Streifenwagen bemerkte. Ich hatte so starke Schmerzen, dass ich nicht einmal feststellen konnte, ob sie von meiner linken Hüfte und Oberschenkel oder von meiner linken Hand und Ellenbogen größer waren. Ich erkannte, dass ich meine linke Faust nicht mehr drehen konnte.

Hinter mir hielt tatsächlich ein Streifenwagen. Der Fahrer war ausgestiegen und sagte zu mir: „Ich bin ihr Zeuge“, denn er hatte die Unfallsituation beobachtet und war, um zu helfen, hinzugekommen.

Weiter meinte er: „Schade, dass ich keine Kamera dabei hatte. Einen so schönen Flug über ihren Lenker habe ich noch nie gesehen, den hätte ich zu gerne festgehalten.“ Dann hatte er über Funk Verstärkung angefordert.

Der Unfallverursacher war sehr besorgt um mich und breitete eine Decke wie ein Kissen hinten auf die Ladekante seines Fahrzeuges, damit ich mich setzen konnte, um erst mal wieder zur Besinnung zu kommen.

Da saß ich nun tief durchatmend, mein Fahrrad lag vor mir, und meine Helga wartete mit dem Essen auf mich. Der Schock saß tief in mir, aber mein eiserner Wille ließ mich nach Hause fahren, denn ich war überzeugt, dass mir meine gute Heilhaut helfen würde.

Der freundliche Beamte war auch geschockt, als ich mich auf mein Fahrrad gesetzt hatte, um wie mit meiner Helga abgesprochen, rechtzeitig zum Essen nach Haus zu kommen, tatsächlich losgefahren bin. Dreimal hatte er mir gesagt, dass ich doch warten sollte, bis seine Kollegen zur Unfallaufnahme und der Rettungswagen eintreffen würden.

Meinem starken Willen hatte ich folgen können, aber meine Gedanken waren unüberlegt und fehlerhaft, als ich mein Fahrrad 400 m weiter um meine Garage schob und meine Helga mein totblasses Gesicht erkannte.

Essen und Ruhe, mehr wollte ich nicht. Viel erzählen konnte ich nicht und war trotz starker Schmerzen eingeschlafen. Am nächsten Tag gönnte ich mir totale Ruhe. Mein Wille sollte mich wieder in die Normalität bringen...

Mit einem Dreiecktuch brachte ich meinen linken Arm in eine Ruhestellung, so dass auch der Schmerz erträglicher geworden ist.

Anhand meiner Trainingstabellen kann ich jeden Tag ablesen, ob ich etwas und was ich sportlich für mich getan hatte.

Am 28. Aug. 2011 testete ich mich, was ich momentan noch kann. Für meine Rückenschule mußte ich mich sehr zurücknehmen und an die Sprossenwand hängen klappte einhändig gar nicht. Aber ich hatte ja noch meinen Lauftrainer, mein Ergometer und Hanteln. So bediente ich eine 5 kg Hantel nur mit der rechten Hand und lief drei Minuten auf meinem Lauftrainer, das klappte auch einhändig. Auf dem Ergometer fuhr ich nur 3 km. Mit diesen Bewegungen konnte ich meine Hüfte gleichmäßig in Bewegung halten. Die Gleichmäßigkeit verursachte weniger Schmerzen als die Unebenheiten der Straßenbepflasterung.

Nach drei Tagen ließ sich weder mein Arm noch meine Hand schmerzfrei bewegen. Das klappt wohl doch nicht alleine, so meine Prognose und deshalb suchte ich dann meine Ärztin auf. Nach 10 Minuten kam eine Taxe, und ich fuhr mit meiner Überweisung ins Unfallkrankenhaus Boberg. Die Röntgenaufnahmen, zeigten einen Bruch am Radiusköpfchen und Frakturen im Handgelenk. Mit einem Gips vom Oberarm bis zu den Fingern wurde ich nach guten 5 Stunden mit einer DVD (Röntgenaufnahmen) und Überweisungspapieren aus dem Unfallkrankenhaus entlassen.

Ich humpelte an die Bushaltestelle und fuhr nach Hause, denn mein Magen knurrte...


Herbert Jerrentrup sen.

 

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