Gesund 26

Autor: Herbert Jerrentrup sen. Hamburg

Körper, Geist und Phänomen

eigene Erfahrungen

 

Unfall-Chirurgie

 

Dort gibt es solche und solche Ärzte

und solches Personal

 

 

 

Es fing relativ gut an, denn nachdem ich mit meinen Unterlagen und der DVD in der Rezeption der Unfall-Chirurgie Kontakt aufgenommen hatte, hatte ich auch schon einen Termin bekommen.

Da saß ich nun in einem Pulk von wartenden Patienten. Viele waren mit Verbänden, oder Krücken erschienen und alle hatten das gleiche Ziel: Sie wollten, wie ich auch, wieder mit ärztlicher Hilfe gesunden.

Wenig später saß ich Dr.01 gegenüber, der einen eingeschalteten Bildschirm vor sich hatte und meine Röntgenaufnahmen ärztlich begutachtete. Er befragte mich, machte Eintragungen, und das weitere Vorgehen wurde mir kurz erläutert.

Nachdem mein Gips entfernt worden war, ging ich, die Haut meines Armes kratzend eine Etage höher in die Röntgenaufnahme. Dort wurden weitere Aufnahmen gemacht, die auf dem Computer der Unfall-Chirurgie landeten. Ein Fortschritt, denn ich brauchte keine DVD nach unten zu schleppen. Dr.01 hatte die neuen Aufnahmen ausgewertet und ich bekam einen Cast in blau. Und einen neuen Termin

Beim Anfertigen des Castes schimpfte die Schwester. Sachen die sie benötigte waren nicht auf Lager oder irgendwo versteckt. Als Ersatz umwickelte sie meinen Arm bis zur Hand mit einem dicken weichen Verband.

Bis zum angegebenen Termin bearbeite ich meine Hüfte und den Pferdekuss an meinem linken Oberschenkel mehrmals täglich mit einer Bürste, um die Schwellung zu lindern und den Bluterguss zu entfernen. Weiter steigerte ich die Laufleistung auf meinem Crosstrainer ganz langsam. So machte ich es auch täglich mit dem Ergometer.

Dann war mein neuer Termin in der Unfall-Chirurgie. Ich war wieder pünktlich erschienen und sah die Patienten kommen und gehen. Dr.01 hatte ich auch über den Flur gehen sehen. An der Rezeption waren die Gesichter für andere Aufgaben ausgewechselt worden, und ich wartete, weil ich gleich aufgerufen werden sollte.

Der Aufruf kam tatsächlich, und ich bin in einen Rum geführt worden. Irgendetwas stimmte nicht. Nicht mit mir, nein in der Unfall-Chirurgie. Dr. 01 war angeblich schon gegangen, und zu mir kam eine Frau Dr.02. Ein Blick in den Computer: Ich war zum richtigen Zeitpunkt dort, aber Dr. 01 war fort, und dann kam die Frage, was denn gemacht werden sollte.

Ich sollte einen gespaltenen Cast bekommen, und Frau Dr.02 ordnete das auch an. Doch wo war das entsprechende Personal? In der Unfall-Chirurgie waren wohl alle irgendwie vom Fach. Aber der Umgang mit der kleinen Kreissäge, um den Cast auf zu sägen, war wohl nicht jedem geläufig. Aber gemeinsam hatte es dann geklappt, und der Cast war ab.

Dann bekam ich den gespaltenen Cast, doch oh Schreck, das benötigte Material war noch immer nicht vorrätig. Egal, mein linker Arm war schon ganz dünn geworden, da passte auch ein schlankerer Strumpf von der Meterware drauf. Ein Loch ausschneiden, meinen Daumen durchstecken, den Strumpf bis zum Bizeps ziehen und Cast-Kunststoffmaterial drum herum. Etwas anfeuchten, durchhärten lassen und wieder vom Bizeps bis zu den Fingern auf sägen und mit Klettverschlüssen zusammenhalten, damit der gespaltene Cast später von der Therapeutin geöffnet und der Arm herausgenommen werden konnte.

Von Frau Dr.02 hatte ich einen Termin bekommen, wann Dr.01 wieder da sein sollte, um die weiteren Maßnahmen anzuordnen.

Doch statt Dr.01 war Dr.03 dann mein Gegenüber. Wir führten ein längeres Gespräch, denn er hatte erkannt, dass meine Muskulatur und Gesamterscheinung anders als die meiner Altersgenossen war. Das hatte den Dr.03 interessiert, und er war begeistert von meiner Willenskraft und meinem sichtbaren Erfolg.

Dann ordnete Dr.03 die therapeutischen Maßnahmen an, und ich bekam die Rezepte dafür termingerecht. (Siehe Therapeutin Anna)

Den gespaltenen Cast hatte ich nicht mehr gebraucht, und so saß ich dem Dr.03 erneut ggenüber. Von der Therapeutin hatte ich wegen meiner Hand ein Begleitschreiben mit ihrer Anregung für den Facharzt in der Unfall-Chirurgie mitbekommen.

Es folgte ein weiteres sehr persönliches Gespräch mit Dr.03. Er gab mir zu verstehen, dass er an meiner Hand als Handchirurg sehr viel Geld verdienen könne. Aber er wollte meine Hand nicht kaputt operieren, denn mit meiner Ausdauer und meinem eisernen Willen bekäme ich meine Hand und die Handwurzel alleine wieder hin. Er gab mir noch ein Rezept für die letzten 6 Behandlungen, und dann hatten wir uns nicht mehr gesehen.

Ich wollte zum Abschluss kommen und suchte die Unfall-Chirurgie ein letztes Mal auf. Nanu, wer hatte denn entdeckt, dass ich neben dem unverschuldeten Fahrradunfall auch Privatpatient bin. Ich wurde in den Raum für Privatpatienten geführt und Dr.01 betrat den Raum. Als er von mir hörte, dass ich zum Abschluss kommen wollte, fragte er mich nach Durchsicht meiner Röntgen-Computer-Bilder, ob meine Hand denn schon geröntgt worden sei.

Mein Entsetzen hatte ich ihm klar gemacht, denn er hatte meine erste Untersuchung in der Unfall-Chirurgie vorgenommen und trotz der von mir mit gebrachten Röntgenaufnahme-DVD Vergleichs-Röntgen-Aufnahmen machen lassen.

Dann dämmerte es wohl bei ihm, und er meinte versönlich noch, dass ich meine Hände nicht über Kopfhöhe halten sollte. Ich müsse mich schonen…

Ein Abschluss-Schreiben für meine Hausärztin wollte mir Dr.01 aber nicht ausstellen.

Sollte ich mich mit ihm streiten? Nein! Mir war es letztlich egal.

Ausgerechtnet an diesem Tag hatte ich noch einen Bewertungszettel über die Unfall-Chirurgie zum Ankreuzen bekommen. Ich hatte keine Bewertung vorgenommen, denn sonst hätte ich geschrieben, dass der Fisch am Kopf anfängt zu stinken...

Ich verabschiedete mich und bin gegangen.

Herbert Jerrentrup sen.

 

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