Gesund 27

Autor: Herbert Jerrentrup sen. Hamburg

Körper, Geist und Phänomen

eigene Erfahrungen

 

 

Ein Rechtsanwalt

aus Bergedorf

 

 

Nicht mein mir neu auferlegtes Trainingsprogramm bereitete mir Sorgen, das würde ich schon alles hinbekommen, und den Namen des Verursachers und seiner Versicherung hatte ich auch. Aber ich merkte plötzlich meine totale Hilflosigkeit, weil ich die Tastatur meines Computers nicht mehr mit der linken Hand bedienen konnte, denn seit über 50 Jahren schrieb ich alles, ohne auf die Tasten sehen zu müssen. Ich bin wie eine „Tippse“ oder ein Blindschreiber.

Jetzt benötigte ich Hilfe, am besten einen Rechtsanwalt, aber wir kannten keinen.

Der Zufall kam meiner Helga zur Hilfe. Sie hatte im Gespräch mit einer Klön-Bekanntschaft erfahren, dass sie einen Verkehrsunfall gehabt hatte und die Angelegenheit einem Anwalt (auch durch ein Gespräch kennengelernt) mit der Wahrnehmung ihrer Interessen beauftragt.

Unsere beiden Situationen waren ähnlich gelagert, und die Schuldfrage war auch geklärt. Der Zeitunterschied betrug etwas mehr als ein Jahr.

Gleich im ersten Gespräch hatte der Rechtsanwalt ihr versichert, dass sie mit 5000 Euro Schmerzensgeld rechnen könnte, und so soll dann dieser Betrag auch überwiesen worden sein. Die Gesprächspartnerin brauchte keine Anwaltsgebühren zu bezahlen.

Meine Helga hatte sich den Namen und die Adresse aufgeschrieben, und ich machte dann telefonisch einen Termin mit diesem Rechtsanwalt ab.

Nachdem er sich den Sachverhalt hatte erzählen lassen, meinte der Rechtsanwalt, dass ich mit 5000 Euro Schmerzensgeld rechnen kann. Die Arztrechnungen sollte ich nicht begleichen sondern bei ihm einreichen, und er würde alles erledigen.

Das hörte sich ja gut an.

Irgendwann vereinbarten wir ein zweites Gespräch, und ich saß daraufhin dem Anwalt, eine Tasse Kaffee trinkend, gegenüber. Ein paar unerhebliche Fragen bezüglich Sport und Urlaub hatte er noch, und dann wollte er von mir wissen, ob ich meinen Nachlass schon geregelt hätte. Er hatte auch eine Broschüre parat, an was alles gedacht werden müsse.

Als ich ihm erklärt hatte, dass ich mich selbstverständlich mit dieser Situation befasst hatte, und alles ordnungsgemäß erledigt sei, war unser Gespräch auch schon zu Ende.

Wir verabschiedeten uns, und ich hatte das Gefühl, das sein Interesse für meine Situation abgenommen hatte.

Irgendwann, nachdem ich mit Dr.01 das Abschlussgespräch in der Unfall-Chirurgie geführt hatte, und ich meine Anwaltskanzlei darüber informiert hatte, kam ein Anruf von meinem Anwalt.

Sie wollen die Sache abbrechen? Wurde ich gefragt. Das ist viel zu früh, da ist doch noch die Sache mit dem lockeren Zahn. Wenn ich damit durch wäre, sollten wir uns noch einmal im Febr. 2012 zusammensetzen.

Sollte mich mein Gefühl getäuscht haben?

Nein, der abgesprochene Termin war noch nicht heran, als ich meinen Anwalt an der Strippe hatte. Wie sind sie denn auf den Betrag von 5000 Euro Schmerzensgeld gekommen, fragte er mich. Sie laufen ja wieder wie ein Wiesel durch die Stadt, es geht ihnen ja gut, und sie wollen doch keinen Gerichtsprozess, dann beenden wir den Fall.

Einem guten oder aufmerksamen Anwalt wäre aufgefallen, dass die der Strurz auf die Hüfte und der sogannte Pferdekuss auf dem Oberschenkel gar nicht aktenkundig gemacht worden waren, und er hätte für eine Richtigstellung geseorgt. Aber wenn es denn nichts mehr gesondert zu verdienen gibt, und die Versicherung schon dem Honorar zugestimmt hat, dann brauchen derartig wichtige Punkte auch nicht mehr angesprochen zu werden.

Ich war ganz irritiert, denn ich hatte überhaupt nichts von Schmerzensgeld gesagt. Einen Gerichtsprozess wollte ich allerdings nicht führen, deshalb war damit einverstanden, den Fall mit dem Anwalt zu beenden, denn ich konnte schon wieder selber tippen.

Über meinen Anwalt waren mir anstatt seiner Ankündigung von 5000,- Euro schließlich 1800,- Euro Schmerzensgeld überwiesen worden. Reichlich dürftig, oder?...

"Nimm keinen Anwalt aus Bergedorf", hatte mir ein Gesprächspartner im Sachsentor gesagt, aber unser Gespräch hatte leider einen Monat zu spät stattgefunden. Wie Recht dieser Gesprächspartner doch hatte, aber aus Fehlern lerne ich auch.

 

Herbert Jerrentrup sen.

Nachtrag und Verwunderung

 

Am 4. Febr. 2014 erhielt ich ein Schreiben vom Anwaltsbüro aus Bergedorf. Es sollte meiner Aufmerksamkeit wohl entgangen sein, einen Rechnungsbetrag von 333,68 Euro auf das Anwalts-Konto zu überweisen. Terminangabe 19. Jan. 2012 und die Kontonummer war auch angegeben.

Nach mehr als zwei Jahren war dort angeblich so ein Blödsinn aufgefallen. Ich setzte ein Antwortschreiben auf. Aber dann hatte niemand dort eine vernünftige Erklärung. Angeblich hatten sie Computerprobleme gehabt, und so könnte es wohl beim Überspielen eines neuen Computerprogrammes passiert sein.

Wenn sie sich nicht mehr melden würden, ist die Angelegenheit erledigt.

Ich habe kein weiteres Schreiben mehr erhalten...


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