Presse-Seite 12

 

30.Jul.2005

 

 

Leserbrief: zu dem Artikel vom 30. Juli 2005

„Abiturientin betreut Straßenkinder“

 

Wunderbar Helen Stöckl, Deine ehrenamtliche Tätigkeit in Nicaragua.

Du hättest den Namen Heide „Gier“monis haben müssen, dann hättest Du es wesentlich einfacher, „Deinen“ Straßenkindern zu helfen.

Weil Menschen wie Du, mit echtem Helfersyndrom, keine monatlichen ruhegehaltsfähigen Einkünfte von mehr als 10.000 Euro erhalten, haben sie auch keine Lobby und können auch nicht auf Kosten von Unicef-Deutschland als Vorstandsmitglied in die Länder ihrer Wahl reisen.

Du musst zum Gelingen Deines Vorhabens vorher 6000,- Euro einwerben, um dann, mit dem Eifer Deiner Jugend, Deine kostenlose Arbeitskraft, für fremde Kinder auf der Straße in Nicaragua, ein Jahr einsetzen zu können.

Die Not in unserem Land ist, seit der Einführung des Euros, leider so groß geworden, daß ich mir gut vorstellen kann, daß viele Bergedorfer Firmen die Insolvenz vor Augen haben und einfach nicht mehr helfen können.

Du, liebe Helen Stöckl, hast noch das Glück, daß die Bergedorfer Zeitung Deinen Artikel veröffentlicht hat. Für den ersten Auftritt in Bergedorf von Liedermacherin Bea aus Rostock hatte die Bergedorfer Zeitung leider nicht eine Zeile geschrieben. Wie gut, daß die Liedermacherin verständnisvolle Wirtsleute (in der neuen Gaststätte im Bergedorfer Gewerkschaftshaus) und einen 65jährigen Helfer in Bergedorf hatte.

Ich denke, die Einwerbung der nötigen 6000,- Euro wird in Deinem Fall größtenteils von Deinem Sparbuch und dem großen Herz einer intakten Familie, Vater, Mutter und Großeltern erfüllt. Der alte Spruch: „Eine Mutter kann 10 Kinder ernähren, aber…“ trifft auch in der heutigen Zeit zu.

Es wird wohl noch lange so bleiben, Politiker und Vorstände füllen sich ganz "legal" die eigenen Konten und Millionäre machen Werbung und kassieren sehr viel Geld.

Wenn wir es nicht schaffen, daß Ruhegehalt eines Politikers, Vorstandes oder Aufsichtsrates auf maximal 5000,- Euro aus öffentlichen Geldern zu drosseln, bekommen wir die Schuldenentwicklung weder in Deutschland noch in Europa in den Griff. Die Überalterung in den angesprochenen Etagen ist ein ähnliches Problem. Die Herrschaften fühlen sich wichtig, und die Jugend bleibt auf der Straße.

Nullrunden können Politiker beschließen, die Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre irgendwann auch, aber die sinnvolle Sparmaßnahme in den Chefetagen packen sie nicht an, weil sie dann in Zukunft auch ihre eigenen überhöhten Ruhegehälter kürzen würden.

Die gläsernen Konten sind ja bereits eingeführt worden, und so könnte doch der Überfluss endlich gestoppt werden. Wenn schon keine neuen Gesichter in der Werbung gezeigt werden sollen, so müssen ihre überhöhten Gagen dahingehend aufgeteilt werden, daß Einzehntel auf die Millionenkonten und Neunzehntel auf ein Konto der Allgemeinheit gebucht wird, um Not zu lindern.

 

Möge Dein Vorhaben gelingen, liebe Helen Stöckl, das wünscht Dir

Herbert Jerrentrup sen. Hamburg-Bergedorf

 

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Helen Stöckl in Nicaragua